Re:Wiiew #01 – Ghost Trick (NDS)

Man glaubt es kaum, der erste Beitrag in einer Rubrik, welche die Wii im Titel hat, behandelt gar kein Game für selbige Konsole. Nichtsdestotrotz hoffe ich, alle Aspekte, Kritikpunkte und interessanten Schnipsel in ausreichender Art und Weise zu beleuchten. Der Kandidat des Tages nennt sich “Ghost Trick”.

Wie viele Spiele, für irgendeine Konsole der letzten 20 Jahre oder so, fallen einem auf Anhieb ein, in denen die erste Szene davon handelt, dass der Hauptcharakter stirbt und dann nicht damit weitergehen, dass die Ereignisse die zum Tode führten mehr oder weniger als Rückblick zum Inhalt der Geschichte werden? Mir spontan keine, zumindest konkrete Titel nicht. Ghost Trick tut genau das, es handelt zum größten Teil davon, dass Sissel -Geist und Held der Geschichte in einer Person- stirbt und genau bis Sonnenaufgang noch als körperloser Geist in der Welt der Lebenden verweilen darf. Diese letzte Nacht, so beschließt er nach der Feststellung, dass man beim Sterben sein Gedächtnis verliert, soll dazu dienen heraus zu finden, wie und warum er überhaupt sterben musste, sowie wer er vorher war. Was leichter gesagt ist als getan, wenn man sich nur noch von einem Objekt zum Nächsten hangeln oder durch die Telefonleitungen der Sterblichen fortbewegen kann. Dafür erhält Sissel so genannte “Ghost Tricks”, die Fähigkeiten der Toten, welche man kurzerhand als “simple” Poltergeist-artige Aktionen beschreiben kann: An Bildern und Lampen rütteln, leichte Gegenstände umwerfen, Schlösser öffnen, Hebel umlegen und ähnliches. Und damit ist das Gameplaykonzept auch schon zusammen getragen.

Schlagwort Gameplay. Besonders schwierig oder ausgefallen ist dies bei Ghost Trick sicherlich nicht, im Gegenteil, es glänzt mit einer sehr einfachen, aber fantastisch umgesetzten Idee. Man muss “nichts weiter” tun als sich mit Geist Sissel in verschiedene Objekte zu versetzen und diese mit den Tricks zu manipulieren um Ereignisse in gang zu setzen oder zu verhindern, Pfade zu öffnen, den lebenden Charakteren zu helfen, weitere Gegenstände zu entdecken oder ähnliches. Am Anfang läuft das noch recht schlicht ab, doch nach und nach wächst sich dieses “getrickse” zu ellenlangen Kettenraktionen aus die stark an Rube-Goldberg-Maschinen erinnern. Das geht einem auch ganz gut von der Hand, da man zu Beginn nicht viele Optionen hat ausser springen zu einem Gegenstand in Reichweite und manipulieren des besessenen Gegenstands. Bei vielen Games kennt man das, zumindest auf dem Nintendo DS: Eine entweder fürchterlich komplizierte Steuerung via Pen und Buttons, für die man gefühlte fünf Hände braucht oder eine fürchterlich primitive Handhabung mit nur einem von Beiden, die unelegant ist, keinen Spaß macht oder einfach nur nicht funktioniert wie man es sich wünscht. Die Ghost Trick-Steuerung ist, für mein Empfinden, eine der besseren Steuerungen in “Tüftelspielen” für den DS. Man kann alleinig mit dem Pen spielen, oder aber nahtlos zur Tastensteuerung wechseln, da man für alle in der Szene anwendbaren Möglichkeiten ein kleines Symbol am Bildschirmrand hat, das sich per Touchpen anwählen lässt, aber auch jederzeit mit jeweils einem Button bzw. dem D-Pad verknüpft ist. Einziges Körnchen Salz in dieser Kategorie ist, meiner Meinung nach, dass man ohne ein gutes Gedächtnis nach der erstmaligen Einleitung schnell vergisst, welcher Button nun mit “Tricks”, der “Geisterwelt-Ansicht”, dem Info-/Speichermenü und Ähnlichem verbunden ist, da die Icons auf dem Schirm in der Beziehung recht nutzlos sind. Nicht, dass sie schlecht gewählt wären oder dergleichen, jedem Icon sieht man simpel an, was es bewirkt wenn man es mit dem Touchpen berührt. Das Problem liegt eher in der Verbindung zu den Buttons und dem D-Pad, diese sieht man den Icons nämlich nicht an.

Bezüglich sehen: Darauf wurde in Ghost Trick meiner Meinung nach durchaus wert gelegt. Auch wenn die Präsentation der Geschichte im Sidescolling-Look daher kommt, sind Charactere mit vielen Details mit leichtem Comicstil liebevoll animiert und Hintergründe ebenso. Konversationen werden zumeist in Nahaufname mit Mugshots der Charaktere, die gegebenen Falles die Emotionen der Figuren wiederspiegeln durch Gesuchtsausdrücke und Körperhaltungen, präsentiert. Wichtige Gespräche immer und während den Trick Time Sequenzen werden Konversationen durch Sprechblasen der entsprechenden Charaktere dargestellt, die man durch anwählen mit dem Pen belauschen kann. Alles in allen natürlich, wie beim NDS zu erwarten, keine HighRes Präsentation -man sieht durchaus, dass das Bild aus Pixeln zusammengesetzt ist- aber das ist auch nicht, womit das Spiel glänzen will.

Gleiches gilt für die musikalische Untermalung. Fast immer passend, mal drückend, mal hastig, andere Momente sind ruhig und strategisch, aber nur selten ging mir persönlich die Musik des Spieles ernsthaft auf den Geist. Aber wie immer sind auch hier die Möglichkeiten des DS begrenzt, wenn auch gut ausgeschöpft.

Wo Ghost Trick besonders stark ist, ist die Story und die Charaktere. Man merkt schnell, dass wirklich mal wieder einiges an kreativer Arbeit investiert wurde und man mehr als alles andere, einen spannenden, übernatürlichen Kriminalfall präsentieren will. Was auch super funktioniert, denn die Akteure werden auf interessante Weise -die viele Fragen offen lässt und damit Lust auf mehr macht- vorgestellt und eingebaut in die -anfangs- kaum klare, aber nichtsdestotrotz spannende Handlung. Storytelling wird enorm groß geschrieben, da es immer weiter geht, aber die meisten Geschehenisse erst viel später geklärt als eingeführt werden. Und was mit einer einfachen Aufgabe, namentlich: mehr über Hauptperson Sissels Vergangenheit heraus zu finden, beginnt wird schnell ein umfassender Fall voller, teils überraschender, Wendungen. Ich persönlich hatte das Spiel unterschätzt aber nach einigen Stunden Spielzeit doch mit einem Aha-Effekt immer interessierter verfolgt.

Insgesamt halte ich Ghost Trick definitiv für eines der Topspiele für den Nintendo DS, das man sich durchaus zulegen sollte, wenn man auf der Suche nach spannender, ausgefallener und doch gut durchdachten Geschichte ist, in deren Verlauf man viele interessante Physik- und Geschicklichkeits- sowie Timingrätsel lösen muss um den eigenen Mörder zu stellen, weitere Morde zu verhinden und schlussendlich eine weitaus größere Katastrophe ab zu wenden.

Mein Fazit: Optisch charmant präsentiertes Spiel mit interessanter Story, das sich in der Sammlung jedes Denkspielfanatikers finden sollte. Definitive Kaufempfehlung meinerseits.

by Fuura

 

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